Panikattacken (Panikstörung)

In der internationalen Klassifikation ICD-11 wird sie unter 6B01 Panikstörung kodiert und wie folgt beschrieben:

„Die Panikstörung ist gekennzeichnet durch wiederkehrende unerwartete Panikattacken, die nicht auf bestimmte Reize oder Situationen beschränkt sind. Panikattacken sind zeitlich abgegrenzte Episoden intensiver Angst oder Befürchtungen, die mit dem raschen und gleichzeitigen Auftreten mehrerer charakteristischer Symptome einhergehen (z. B. Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz, Schweißausbrüche, Zittern, Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, Schwindel oder Benommenheit, Schüttelfrost, Hitzewallungen, Furcht, augenblicklich zu sterben). Darüber hinaus ist die Panikstörung gekennzeichnet durch anhaltende Besorgnis über das Wiederauftreten oder die Bedeutung von Panikattacken oder durch Verhaltensweisen, die darauf abzielen, ihr Wiederauftreten zu vermeiden, und die zu einer bedeutsamen Beeinträchtigung in persönlichen, familiären, sozialen, ausbildungsbezogenen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führen. Die Symptome sind nicht Ausdruck einer anderen Erkrankung und sind nicht auf die direkten Auswirkungen einer Substanz oder eines Medikaments auf das zentrale Nervensystem zurückzuführen.“

Wenn also die Betroffenen Symptome wie z.B. Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern verspüren, haben sie oft auch Todesangst und denken zunächst an einen Herzinfarkt. Zunächst muss haus- und fachärztlich ein Herzinfarkt sowie andere körperliche Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor eine psychisch bedingte Panikstörung diagnostziert werden kann.

Trotzdem dass bei einer psychisch bedingten Panikstörung keine echte Lebensgefahr besteht und jede einzelne Attacke meist nur 10 – 20 Minuten dauert, ist sie oft mit schweren Einschränkungen im Alltag verbunden, da die Betroffenen Auslöser zu vermeiden suchen und sich z.B. nicht mehr aus dem Haus trauen aus Angst, sie könnten auf der Straße eine Panikattacke bekommen. Wie kann nun eine Panikstörung behandelt werden? In Frage kommt

  • Kognitive Verhaltenstherapie
    Es erfolgt eine Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen. Es wird in jeder Situation so lange verharrt, bis die Panik nachlässt. Dadurch soll ein Lerneffekt erreicht werden. Denn unser Körper ist so angelegt, dass er irgendwann runterfährt und die Panik lässt nach einiger Zeit nach. Das übernervöse Gehirn wird im Laufe dieser Konfrontationen umprogrammiert.

  • Tiefenpsychologische Verfahren
    Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kommt in Betracht, wenn den Panikattacken neben aktuellen psychischen Problemen unbewusste Konflikte und verdrängte Erfahrungen, oft aus der Kindheit, zugrunde liegen und diese aufgedeckt werden sollen. Oft fragen Betroffene dann von selbst: Warum bekomme ich immer wieder diese Panikattacken? Bei näherer Befragung finden wir dann z.B. Vernachlässigung und Gewalt in der Kindheit und/oder Sucht-Problematiken in der Herkunftsfamilie. Bei tief liegenden Schwierigkeiten in der Persönlichkeit mit inneren widerstreitenden Kräften kann auch an eine Psychoanalyse gedacht werden. Das Ziel besteht dann darin, den Betroffenen bei der Suche nach einer persönlichen Kontinuität zu helfen sowie sich die unbewusst gewordene Lebensgeschichte ins Bewusstsein zu holen, so dass sie bearbeitet und integriert werden kann.

Nicht immer liegen Panikattacken schwere Konflikte zugrunde. Es kann sich im Gehirn einfach auch mal etwas falsch verschaltet haben. Dann ist die Kognitive Verhaltenstherapie erste Wahl.