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Die Persona

Ich habe im Blättle, der Vereinszeitschrift des Schwerhörigenvereins Stuttgart, 01/2026 folgenden Artikel „Der Schatten“ veröffentlicht:

Letztes Mal schrieb ich über C. G. Jungs „Schatten“ als die dunkle Seite unserer Persönlichkeit. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht. Der Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie C.G. Jung nannte das Gegenstück des Schattens die Persona. Jedoch meint Persona nicht all das Gute, was in uns ist, sondern das, was wir unseren Mitmenschen von uns zeigen, also eine Art Maske – und diese Maske deckt sich nicht immer mit unserem Selbstbild. Hier ein paar Beispiele auf die Hörschädigung bezogen:

Verleugnung der Hörschädigung

„Ich höre eigentlich noch ganz gut.“

„Ich brauche keine Hörgeräte.“

Überschätzung von Hörtechnik und Hörtaktik

„Ich verstehe mit meinem CI (Cochlear Implantat) alles.“

„Ich höre mit meinen Hörsystemen genauso gut oder sogar noch besser als andere.“

„Ich kann jedes Wort von den Lippen ablesen.“

„Mit meiner Zusatztechnik komme ich bei großen Familienfeiern wunderbar klar.“

Verstecken der Hörtechnik

Es wird Wert darauf gelegt, dass die Frisur die Hörtechnik gut verdeckt (z.B. extra die Haare wachsen lassen) oder es wird auch bei warmem Wetter eine Mütze aufgesetzt.

Sozialer Rückzug mit Ausreden versehen

Die große Familienfeier ist zu anstrengend, da kaum Sprachverstehen in lauter Umgebung besteht. Anstatt dies bei deren Absage mitzuteilen, wird nach Ausreden (keine Zeit…) gesucht.

Überspielen mit Witzen, Anekdoten o.ä.

Bei großen Familienfeiern und anderen Veranstaltungen wird die Aufmerksamkeit der Mitmenschen durch Erzählen von Witzen, Anekdoten o.ä. zu gewinnen versucht. Gerne wird auch über Fehler und Missgeschicke anderer gelästert, um das eigene mangelnde Sprachverstehen zu verdecken.

Welchen Sinn und welche Gefahren hat nun eine Persona?

Öfters möchte die hörgeschädigte Person mit ihrer Persona einfach nur teilhaben, ohne immer und überall anzuecken. Uns sie möchte sich vor Übergriffen und Abwertung durch andere Menschen schützen. Beziehungen, ein soziales Netz zu unterhalten, ist unabdingbar und lebensnotwendig. Die Persona hat also – positiv gesehen – eine wichtige Schutzfunktion. 

Der Nachteil ist, dass dieser Schutz zu Lasten der Individualität geht. Oft ist die soziale Anpassung (und die dahinter stehende Angst vor Ausgrenzung) so stark, dass das, was die hörgeschädigte Person ausmacht, fast vollständig hinter ihrer Persona verschwindet. Dann wissen die Mitmenschen nicht, mit wem sie es eigentlich zu tun haben, und leben ihre Beziehung mit einer „Fata Morgana“ anstatt mit der eigentlichen Person.

Doch die Sehnsucht, mitsamt der Hörschädigung akzeptiert zu werden, ist tief verankert – und diese Sehnsucht möchte gestillt werden. Eine zu stark abweichende Persona verhindert dies.

Es gilt, einerseits einen guten ersten Eindruck zu machen und andererseits offen zu sein. Dies ist eine schwierige Gratwanderung. Gleich beim Kennenlernen mit der Tür ins Haus zu fallen wirkt eher abschreckend. Aber bei passender Gelegenheit beiläufig und mit Fingerspitzengefühl auf die Hörschädigung hinzuweisen, wirkt oft weniger bedrohlich und lässt Verständnis wachsen. Aber manchmal klappt es einfach nicht und Misserfolge müssen ertragen und verarbeitet werden.

ADHS (Aufmerksamkeitdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

ADHS ist eine Störung in der neuronalen Entwicklung des Gehirns. Betroffene haben Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation. Manchmal kommt eine starke körperliche Unruhe hinzu. Diese Auffälligkeiten sind sehr stark ausgeprägt, bestehen in den meisten Situationen beständig von Kindheit an und beeinträchtigen die Lebensführung. Es besteht oft erheblicher Leidensdruck durch Misserfolge in Schule und Beruf, ungeplante frühe Schwangerschaften, Alkohol- und Drogenkonsum, Suizid-Gefährdung, Unfälle und unabsichtliche Verletzungen oder Vergiftungen.

Um von einer echten ADHS sprechen zu können (gem. Diagnoseschlüssel ICD11 6A05), muss ein anhaltendes Muster (mindestens 6 Monate) von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität vorhanden sein, das sich unmittelbar negativ auf das schulische, berufliche oder soziale Funktionsniveau auswirkt. Die Anzeichen müssen vor dem 12. Lebensjahr, typischerweise in der frühen bis mittleren Kindheit, vorhanden gewesen sein, auch wenn die betroffene Person erst später klinisch auffällt. Außerdem muss das Ausmaß außerhalb der normalen Schwankungsbreite liegen, welches für das Alter und den Intellekt erwartet werden kann. Im Einzelnen verstehen wir unter

Unaufmerksamkeit Aufmerksamkeit für Aufgaben kann nicht oder kaum aufrecht erhalten werden, wenn sie nicht sehr stimuliert oder belohnt wird, sehr schnell ablenkbar, unorganisiert

Hyperaktivität übermäßige motorische Aktivität, kann nicht stillsitzen und stillhalten, vor allem in strukturierten Situationen, kann sich nicht oder schwer kontrollieren,

Impulsivität handelt auf Reize unmittelbar, ohne zu überlegen, ohne Risiken und Folgen zu bedenken.

Diese Symptome müssen außerdem in verschiedenen Situationen oder Umgebungen zu beobachten sein, z.B. zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis.

Auch lassen sich die Symptome nicht besser durch eine andere psychische, verhaltensbezogene oder neuromentale Entwicklungsstörung erklären und sind nicht auf die Wirkung einer Substanz oder eines Medikaments zurückzuführen. Das heißt, andere psychische oder medizinische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden.

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad (leicht, mittel, schwer), dem Leidensdruck, den jeweiligen Symptomen sowie dem Alter der betroffenen Person. Leicht Betroffene sind nicht behandlungsbedürftig, aber es ist wichtig, dass die betroffene Person und ihr Umfeld informiert wird, um psychosoziale Hilfe zu geben und sie in ihrer Entwicklung günstig zu beeinflussen. Mittelschwer Betroffene sind behandlungsbedürftig, da sie zunehmend unter Folgeerkrankungen leiden und Versagen in Schule, Beruf und Privatleben drohen. Schwer Betroffene haben ein gestörtes Sozialverhalten und stehen in Gefahr, Suchtverhalten zu entwickeln oder in die Kriminalität abzurutschen.

Das Ziel einer Behandlung ist es, die vorhandenen Fähigkeiten auszuschöpfen, die sozialen Fähigkeiten auszubauen und eventuelle Begleitstörungen zu behandeln. Die Behandlung sollte multimodal erfolgen und kann je nach Schwergegrad umfassen:

Psychoedukation: aufklären, beraten, fördern der Krankheitsbewältigung der betroffenen Person sowie bei Kindern/Jugendlichen deren Eltern, Erzieher, Klassenlehrer.

Elterntrainung auch in Gruppen und Hilfen in der Familie einschließlich Familientherapie

Hilfen in Kindergarten und Schule, spezielle Förderungen für das Kind/Jugendlichen durch Schulpsychologen

Pharmakotherapie stützt die Gehirnfunktion und vermindert Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Überaktivität

Kognitive Verhaltenstherapie kann ab dem Schulalter gemacht werden und soll das impulsive und unorganisierte Lösen von Aufgaben vermindern (Selbstinstruktionstraining) sowie das Verhalten bei Problemen ändern (Selbstmanagement)

Lerntherapie, wenn begleitend eine Teilleistungsstörung wie Legasthenie oder Dyskalkulie vorhanden ist

Auch sportliche Betätigung kann sich günstig auf Verhalten und Lernfähigkeit auswirken.

Meistens können diese Therapien ambulant erfolgen. Bei besonders schwer ausgeprägter Symptomatik kann eine teilstationäre Therapie in einer Tagesgruppe oder Tagesklinik oder eine stationäre Therapie notwendig sein.

Es versteht sich von selbst, dass – auch wegen der ggf. notwendigen Medikation und Prüfung von (teil)stationärer Behandlung – die Diagnose in einer psychiatrischen Praxis erfolgen sollte, denn nur Ärzte dürfen Medikamente verschreiben und in eine Klinik einweisen. Bei mittelschwerer und schwerer Symptomatik reicht eine psychotherapeutische Behandlung nicht aus! Bitte setzen Sie daher verordnete Medikamente nicht einfach ab, auch nicht wenn Sie bei mir in psychotherapeutischer Behandlung sind. Probleme wie Unverträglichkeit, Nebenwirkungen oder sonstige Fragen zur Medikation sprechen Sie bitte in Ihrer psychiatrischen Praxis an.

Panikattacken (Panikstörung)

In der internationalen Klassifikation ICD-11 wird sie unter 6B01 Panikstörung kodiert und wie folgt beschrieben:

„Die Panikstörung ist gekennzeichnet durch wiederkehrende unerwartete Panikattacken, die nicht auf bestimmte Reize oder Situationen beschränkt sind. Panikattacken sind zeitlich abgegrenzte Episoden intensiver Angst oder Befürchtungen, die mit dem raschen und gleichzeitigen Auftreten mehrerer charakteristischer Symptome einhergehen (z. B. Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz, Schweißausbrüche, Zittern, Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, Schwindel oder Benommenheit, Schüttelfrost, Hitzewallungen, Furcht, augenblicklich zu sterben). Darüber hinaus ist die Panikstörung gekennzeichnet durch anhaltende Besorgnis über das Wiederauftreten oder die Bedeutung von Panikattacken oder durch Verhaltensweisen, die darauf abzielen, ihr Wiederauftreten zu vermeiden, und die zu einer bedeutsamen Beeinträchtigung in persönlichen, familiären, sozialen, ausbildungsbezogenen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führen. Die Symptome sind nicht Ausdruck einer anderen Erkrankung und sind nicht auf die direkten Auswirkungen einer Substanz oder eines Medikaments auf das zentrale Nervensystem zurückzuführen.“

Wenn also die Betroffenen Symptome wie z.B. Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern verspüren, haben sie oft auch Todesangst und denken zunächst an einen Herzinfarkt. Zunächst muss haus- und fachärztlich ein Herzinfarkt sowie andere körperliche Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor eine psychisch bedingte Panikstörung diagnostziert werden kann.

Trotzdem dass bei einer psychisch bedingten Panikstörung keine echte Lebensgefahr besteht und jede einzelne Attacke meist nur 10 – 20 Minuten dauert, ist sie oft mit schweren Einschränkungen im Alltag verbunden, da die Betroffenen Auslöser zu vermeiden suchen und sich z.B. nicht mehr aus dem Haus trauen aus Angst, sie könnten auf der Straße eine Panikattacke bekommen. Wie kann nun eine Panikstörung behandelt werden? In Frage kommt

  • Kognitive Verhaltenstherapie
    Es erfolgt eine Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen. Es wird in jeder Situation so lange verharrt, bis die Panik nachlässt. Dadurch soll ein Lerneffekt erreicht werden. Denn unser Körper ist so angelegt, dass er irgendwann runterfährt und die Panik lässt nach einiger Zeit nach. Das übernervöse Gehirn wird im Laufe dieser Konfrontationen umprogrammiert.

  • Tiefenpsychologische Verfahren
    Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kommt in Betracht, wenn den Panikattacken neben aktuellen psychischen Problemen unbewusste Konflikte und verdrängte Erfahrungen, oft aus der Kindheit, zugrunde liegen und diese aufgedeckt werden sollen. Oft fragen Betroffene dann von selbst: Warum bekomme ich immer wieder diese Panikattacken? Bei näherer Befragung finden wir dann z.B. Vernachlässigung und Gewalt in der Kindheit und/oder Sucht-Problematiken in der Herkunftsfamilie. Bei tief liegenden Schwierigkeiten in der Persönlichkeit mit inneren widerstreitenden Kräften kann auch an eine Psychoanalyse gedacht werden. Das Ziel besteht dann darin, den Betroffenen bei der Suche nach einer persönlichen Kontinuität zu helfen sowie sich die unbewusst gewordene Lebensgeschichte ins Bewusstsein zu holen, so dass sie bearbeitet und integriert werden kann.

Nicht immer liegen Panikattacken schwere Konflikte zugrunde. Es kann sich im Gehirn einfach auch mal etwas falsch verschaltet haben. Dann ist die Kognitive Verhaltenstherapie erste Wahl.

Sexsucht

Mit der neuen internationalen Klassifikation ICD-11 hat die Sexsucht einen eigenen Diagnoseschlüssel, nämlich 6C72 mit der Überschrift „Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung“ erhalten. Hier die Beschreibung:

„Die zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung ist durch ein anhaltendes Muster des Unvermögens gekennzeichnet, intensive, sich wiederholende sexuelle Impulse oder Triebe zu kontrollieren, was zu einem repetitiven Sexualverhalten führt. Zu den Symptomen gehören u. a., dass wiederholte sexuelle Aktivitäten so sehr in den Mittelpunkt des Lebens der Person rücken, dass Gesundheit und Körperpflege oder andere Interessen, Aktivitäten und Verantwortlichkeiten vernachlässigt werden, dass es zahlreiche erfolglose Bemühungen gibt, das repetitive Sexualverhalten zu reduzieren, und dass das repetitive Sexualverhalten trotz negativer Konsequenzen fortgesetzt wird, obwohl wenig bis keine sexuelle Befriedigung daraus folgt. Das Muster des Unvermögens, intensive sexuelle Impulse oder Triebe und das daraus resultierende repetitive Sexualverhalten zu kontrollieren, zeigt sich über einen längeren Zeitraum (z. B. sechs Monate oder länger) und verursacht ausgeprägten Leidensdruck oder bedeutsame Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, ausbildungsbezogenen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Sollte ein Leidensdruck durch moralische Auffassungen oder eine Ablehnung sexueller Impulse, Triebe oder Verhaltensweisen generell bestehen, so genügt dies nicht, um diese Diagnosekriterien zu erfüllen.“

Es geht hier also nicht einfach um eine besonders ausgedehnte sexuelle Betätigung oder um vielleicht moralisch verwerfliche Praktiken. Vielmehr fühlen sich die Betroffenen ihrer sexuellen Betätigung hilflos ausgeliefert, sie können nicht steuern ob und was sie wollen, und sie wollen immer wieder und immer mehr davon, obwohl es ihnen längst keinen Spaß mehr macht. Auch vernachlässigen sie dabei ihre Familie, Freunde, Beruf, Hobbies und setzen ihre Betätigung auch dann noch fort, wenn schädliche Folgen wie z.B. Scheidung, Kündigung, Vereinsamung, Ansteckung mit einer Krankheit wie AIDS eintreten.

Egal, ob exzessiv Masturbation (Selbstbefriedigung), Pornokonsum, Sex mit rasch wechselnden Personen oder sonstiges exzessives sexuelles Verhalten praktiziert wird, versuchen die Betroffenen, bestimmte Bedürfnisse damit zu erfüllen. Das kann zum Beispiel sein:

  • Aufpolieren eines geringen Selbstwertgefühls
  • Flucht aus einem als unglücklich erlebten Alltag
  • eine innere Leere scheinbar mit Lebendigkeit füllen
  • Bestätigung bei Männern / Frauen suchen
  • sich angenommen fühlen

Daher ist in der Therapie ein wichtiges Ziel, genau herauszufinden, welche Bedürfnisse hinter der Sexsucht stecken, ob es realistisch ist, diese zu erreichen, ob und ggf. welche Bedürfnisse losgelassen werden müssen, ob und welche Bedürfnisse auf eine andere, gesündere und befriedigendere Weise erfüllt werden können.

Es kann auch sein, dass noch weitere Süchte wie z.B. Alkoholsucht oder Spielsucht bestehen. Diese müssen ebenfalls, ggf. auch stationär, behandelt werden.

Ergänzend ist es oft hilfreich, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Dies kann auch der Vereinsamung entgegenwirken. Eine Selbsthilfegruppe können Sie im Internet auf der Homepage https://anonyme-sexsuechtige.de suchen. Für Stuttgart sind zwei Mailadressen genannt: as-stuttgart@posteo.de und as-stuttgart-2@posteo.de

Die Stuttgarter Zeitung veröffentlichte am 29.11.2025 unter der Überschrift „Quälende Lüsternheit“ einen interessanten Artikel zum Thema.

„Ist das wirklich passiert?“

fragte sich der sechsjährige Philipp, nach dem er im Urlaub auf dem Campingplatz sexuell missbraucht worden war – und hielt das Erlebnis mehr als 20 Jahre lang unter Verschluss.

Zwar sind die Mehrzahl der missbrauchten Opfer Mädchen, aber auch Jungs können betroffen und die Folgen genauso gravierend sein: Schwierigkeiten mit Nähe und Intimität, Schlafstörungen, Ängste, Depressionen oder aggressives Verhalten gegen sich oder andere.

Bei männlichen Opfern kommt dazu, dass dies nicht ins klischeehafte Bild passt, das die Gesellschaft von einem Mann hat. Daher ist das Thema sexueller Missbrauch bei ihnen noch schambehafteter und es kommt hinzu, dass sie die Kontrolle haben, stark und wehrhaft sein müssen. Aus diesem Verständnis heraus deuten männliche Betroffene die erlebten Grenzverletzungen oft falsch, verharmlosen die Tat oder deuten sie um als „erste heterosexuelle Erfahrung“, also einvernehmlichem Sex. Vermutlich ist bei ihnen die Dunkelziffer besonders hoch.

Es kann bei Betroffenen sein, dass sie irgendwann im Erwachsenenalter die Vergangenheit einholt, z.B. Schwierigkeiten in Ehe und Partnerschaft, Schwierigkeiten mit Vaterschaft oder Leistungsabfall im Beruf – und die Erinnerung sich Bahn bricht. Dies ist sehr schmerzlich. Die Wahrheit tut weh, aber es lohnt sich, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Energie, die bisher für die Verdrängung aufgewendet wurde, kann nun für die Heilung des Traumas eingesetzt werden. Aber die Erlebnisse werden nie abgeschlossen sein und es bleiben Narben.

(Siehe auch Artikel „Philipp fragt sich: Ist das wirklich passiert?“ in der Stuttgarter Zeitung vom 11.11.25)

Der Schatten

Im Blättle des Schwerhörigenvereins Stuttgart 04/2025 wurde mein Artikel „Der Schatten“ veröffentlicht:

Als „Schatten“ bezeichnete der Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie C.G. Jung die dunklen Seite unserer Persönlichkeit, die wir an uns selbst ablehnen und ins Unbewusste verdrängen oder auf andere projizieren. Was könnten das für Eigenschaften – auch im Hinblick auf die Hörschädigung – sein? Hier einige Beispiele:

Besserwisser

Belehren gerne andere, wissen alles besser und glauben, den anderen durch ihre Belehrungen zu helfen, aber hauptsächlich polieren sie dadurch ihr durch die Hörschädigung lädiertes Selbstwertgefühl auf. 

Duckmäuschen

Ducken sich weg, widersprechen nie, begehren nie auf, stellen keine Ansprüche an andere und glauben, dadurch besonders gut verträglich zu sein und bestens mit ihren Mitmenschen auszukommen. Dabei merken sie nicht, dass sie angstgesteuert sind, weil sie befürchten, im Streit wegen ihrer Hörbehinderung ohnehin zu unterliegen.

Helfer

Sind überall zur Stelle, wo Hilfe gebraucht wird, suchen sich auch selbst Aufgaben. Dadurch sind sie trotz ihrer Hörschädigung allseits beliebt und dies ist ihnen derart wichtig, dass sie sich gerne ausnützen lassen. Sie merken dies lange nicht und überfordern sich dadurch selbst.

Kummerkasten

Hören sich – trotz ernsthafter eigener Probleme und trotz ihrer Hörschädigung – jedes noch so kleine Problemchen ihrer Mitmenschen an, bedauern sie nach Kräften, arbeiten sich an Problemen anderer ab und merken dabei gar nicht, dass sie für die anderen nur so eine Art Mülleimer sind und sie sich mit der Zeit immer mehr emotional erschöpfen.

Mauerblümchen

Sind unscheinbar, tragen unauffällige Kleidung, richten ihren Blick auf den Boden oder zur Seite, reden nie von selbst, warten still und sehnsüchtig auf ihren Märchenprinzen oder -prinzessin und  und merken nicht, dass ihre Erwartungen unrealistisch sind und sie sich vor hör-schwierigen Situationen des Kennenlernens drücken.

Missionare

Glauben, ganz genau zu wissen, was der beste Umgang mit der Hörschädigung ist und treiben einen hohen Aufwand, ihren Glauben unter die Leute zu bringen, indem sie aufwendige Präsentationen erstellen und jedes Wochenende Hunderte Kilometer quer durch Deutschland reisen, um ihr Patentrezept unter die Leute zu bringen. Dabei merken sie nicht, dass sie Familie, Freunde und Beruf zu Hause vernachlässigen.

Opfermentalität

Suchen sich – im Gegensatz zum echten Opfer – ihre Täter selbst, in dem sie provozieren, manipulieren und verleumden. Sie fühlen sich aber als echte Opfer, benehmen sich täuschend echt so und heischen nach Mitleid. Dabei merken sie nicht, dass sie Verantwortung für eigene Verfehlungen auf andere abschieben und sich vor Wiedergutmachung drücken. 

Schwätzer

Reden viel und gerne, aber der Inhalt besteht oft aus heißer Luft oder sie geben ihr Steckenpferd zum Besten ohne Rücksicht auf die Interessen des Gegenübers oder auf die Situation. Dadurch fällt zwar ihre Hörbehinderung nicht so auf und sind stolz darauf, aber sie merken nicht, dass sie dadurch ihre Mitmenschen vergraulen.

Sicherlich gibt es noch viel mehr Eigenschaften als die hier angeführten. Die Advents- und Weihnachtszeit sowie der Jahreswechsel sind eine passende Gelegenheit, um uns auch mit unseren „verschatteten“ Persönlichkeitsanteilen auseinanderzusetzen. Warum ist das sinnvoll? Das Verdrängen ungeliebter Eigenschaften kostet viel Energie, die wir sinnvoller nutzen können. Die Projektion auf andere führt zu unnötigen Konflikten. Außerdem kann es sein, dass der Schatten auch unsere Fähigkeiten und Begabungen zudeckt, so dass diese kaum zur Geltung kommen. Wenn es uns jedoch gelingt, einiges Licht auf unseren Schatten zu werfen, können wir als Persönlichkeit reifen und uns insgesamt besser entfalten. In diesem Sinne wünsche ich euch eine besinnliche Adventszeit, glänzende Weihnachten und ein lichtvolles neues Jahr.

KI-Beziehungen

Beziehungen sind ohne digitale Kommunikation nicht mehr zu denken. Die Paartherapeutin Meriam Axtmann glaubt: Die Kommunikation mit Künstlicher Intelligenz zerstört die Kunst des Streitens und des Versöhnens (siehe Interview in der Stuttgarter Zeitung vom 08.10.2025 „Eine Maschine sieht die unterdrückten Tränen nicht“). Auch ich sehe es kritisch, wenn Menschen Liebesbeziehungen oder therapeutische Beziehungen mit einer künstlichen Intelligenz eingehen. Ich sehe, dass die Gefahr der Abhängigkeit wächst. Hierzu habe ich einen Leserbrief geschrieben, welcher am 20.10.2025 in der StZ veröffentlicht wurde:

Trauer: normale / traumatische Trauer

Trauer ist der seelische Schmerz über einen Verlust. Sie verläuft in verschiedenen Phasen von Schockphase, akzeptieren des Verlusts, verarbeiten des Schmerzes, sich anpassen an eine Welt ohne die verstorbene Person und Aufbruch in ein neues Leben, in dem eine innerliche dauerhafte Verbindung zur verstorbenen Person ihren Platz haben darf. Während der Trauer treten z.T. heftige, quälende Gefühle der Betäubung, gedrückte Stimmung, Stimmungsschwankungen, Angst, Ärger, Wut und Verzweiflung auf. Das Verhalten ist anders als sonst und kann von Überaktivität oder Rückzug geprägt sein. All dies ist völlig normal und bedarf keiner Behandlung.

Anders bei der traumatischen Trauer. Hier ist der natürliche Trauerprozess blockiert. Er kommt entweder erst gar nicht in Gang oder bleibt mittendrin stecken und findet auch nach Jahren noch kein Ende. Trauma bedeutet seelische Verletzung, die von einem Ausnahmezustand, ausgelöst durch überwältigende Ereignisse, herrührt. Das kann der Fall sein bei Unfällen, grausame Gewalt, Mord, Krieg, Suizid. Schwierig ist auch, wenn es keinen bewussten Abschied gab oder wenn Hinterbliebene sich stark mit der verstorbenen Person identifiziert hatte (bei symbiotischer Beziehung stirbt ein Teil des eigenen Selbst mit). Hier gelingt es manchmal auch nach längerer Zeit nicht, den Tod zu akzeptieren und die anfänglich normale, akute Belastungsreaktion chronifiziert sich, es kommt zu einer anhaltenden Trauerstörung mit ungewöhnlich langer Beschäftigung mit dem Tod und so starkem emotionalem Schmerz, dass die überlebende Person in wichtigen Lebensbereichen beeinträchtigt ist. Die Betroffenen leiden unter Symptomen der PTBS (Posttraumatisches Belastungssyndrom) mit Flashbacks bzw. unwillkürlichem Wiedererleben, Alpträume, Vermeidungsverhalten, Schlafstörungen, übermäßige Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit, Schuldgefühle.

Anhaltende Trauerstörung bedeutet nicht, dass sie ein lebenslanges Schicksal sein muss. Vielmehr gibt es eine Reihe von gut wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Das therapeutische Gespräch wird ressourcen-orientiert geführt. Das bedeutet, dass der Fokus auf den Ressourcen und den Bewältigungsstrategien liegen und der traumatische Verlust keinen großen Raum einnimmt. Dadurch wird Gefahr von Flashbacks und einer Retraumatisierung minimiert und der Weg zur Bewältigung des Ereignisses gebahnt. Es wird großen Wert auf Stabilisierung gelegt und sie ist Voraussetzung, um den traumatischen Verlust bearbeiten zu können. Zur Stabilisierung stehen jede Menge Werkzeuge zur Verfügung:

  • Psychoedukation: Aufklärung, was im Gehirn passiert „Notfallmodus“
  • Imaginationsübungen: z.B. Wohlfühlort
  • Timeline (Zeitlinie): Stärken, Fähigkeiten, die in der Vergangenheit geholfen haben und die wieder aktiviert werden können
  • Dissoziationsstops: Reorientierung in Raum und Zeit wenn „weggedriftet“
  • Körperarbeit: z.B. Tapping, Klopfen langsam zum Ressourcen zu verankern und immer beidseitig, um beide Gehirnhälften zu aktivieren
  • Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training
  • Ressourcenkreis: benennen, auf Karte schreiben und draufstehen, dann sich einfühlen
  • Umgang mit Schuldgefühlen: unterscheiden tatsächliche / gefühlte Schuld

So kann allmählich Ruhe einkehren, der Verlust in das Leben integriert werden, das Leben wieder in die Hand genommen werden.

Hilfe im Internet?

Sich mit der eigenen Psyche zu beschäftigen, ist auf den ersten Blick etwas Gutes. Eine gute Selbstreflexion im Sinne von prüfendem und vergleichendem Nachdenken über sich selbst, das eigene Verhalten in Beziehung zu den Mitmenschen zu betrachten und dabei die eigene Lebensgeschichte einbeziehen, kann zu einer ausgewogeneren und auch milderen Sicht auf sich und die Umwelt beitragen. Unlösbar erscheinende Probleme können etwas von ihrem Schrecken verlieren, wenn bemerkt wird, dass auch andere Menschen ähnliche Probleme haben und/oder der eigene Anteil am Problem gar nicht so klein ist als anfangs gedacht. Das vermindert Selbstmitleid, fördert eigene Schritte hin zu Lösungen und kann professionelle Hilfe entbehrlich machen.

Doch Selbstreflexion ist anstrengend, erfordert viel Zeit, Kraft und Mut und manchmal reichen die eigenen Bemühungen nicht aus. Andererseits ist es sehr schwierig bis unmöglich, einen Therapieplatz in einer Praxis mit Kassenzulassung zu bekommen. Da ist es naheliegend, sich im Internet Unterstützung zu suchen – bei dem riesigen Angebot sollte doch für jedes Problem eine Lösung bereit stehen? Ist es wirklich so einfach, im Netz Hilfe zu finden? Neben seriösen Angeboten gibt es leider auch so manchen Psychonepp, der eher schadet als nutzt. Wie lassen sich nun seriöse von nicht seriösen Angeboten unterscheiden und wie die Qualität beurteilen?

Zunächst einmal die berufliche Qualifikation des Online-Angebots. Psychiater haben ein Studium der Medizin absolviert sowie die Facharzt-Ausbildung für Psychiatrie und meist zusätzlich eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren. Psychotherapeuten haben ein Studium der Medizin oder Psychologie absolviert und eine umfangreiche Psychotherapeuten-Ausbildung absolviert. Mittlerweile wird Psychotherapie von manchen Praxen oder Plattformen auch online angeboten und die Kosten werden bei vorhandener Kassenzulassung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Oft haben Praxen aber nur eine Homepage, um vorab zu informieren oder die Kontaktaufnahme zu erleichtern und so die Hemmschwelle, eine Psychotherapie zu beginnen, herabzusetzen.

Daneben dürfen Heilpraktiker*innen für Psychotherapie ebenfalls online oder in Präsenz Psychotherapie anbieten. Diese haben eine wesentlich kürzere Ausbildung an einer Heilpraktikerschule absolviert sowie eine Prüfung beim Gesundheitsamt abgelegt. Da es sich um eine kurze Ausbildung handelt, sollten zusätzliche Weiterbildungen vorhanden sein. Schwere psychische Erkrankungen sollten immer von Fachärzten für Psychiatrie (auch wegen Verschreibung von Medikamenten) oder von studierten Psychotherapeuten behandelt werden, da Heilpraktiker für Psychotherapie überfordert sein könnten. Außerdem könnte ein finanzielles Problem drohen, da die Behandlung langwierig sein kann und die Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Bei seriösen Anbietern sind Aus- und Weiterbildungen sowie die Kosten zu ersehen. Fehlen diese Angaben, ist besondere Vorsicht geboten.

Alle übrigen Personen dürfen keine Psychotherapie anbieten, egal ob online oder in Präsenz. Bei ihren Angeboten handelt es sich um Lebensberatung, Coaching, schamanische Heilung o.ä., z.T. auch kuriose oder zwielichtige Esoterik. Diese Anbieter sind in der Regel nicht ausgebildet oder haben eine Ausbildung im Coaching, soziale Arbeit, einem Pflegeberuf o.ä.. Auch hier können seriöse Anbieter dabei sein, manche haben beachtliche Erfolge durch viel Fleiß und viel Lebenserfahrung erworben. Besondere Vorsicht ist aber geboten bei hohen Kosten (wenn höher als der Stundensatz der gesetzlichen Krankenversicherung), wenn ein Heilungsversprechen gemacht wird, wenn einfache Lösungen innerhalb kürzester Zeit geboten werden, wenn Anbietende sich als „beste Freundin“ bzw. „bester Freund“ geben, sie ein starkes Sendungsbewusstsein an den Tag legen oder glauben, alleine durch selbst erlebtes und durchlittenes Leid automatisch anderen helfen zu können.

Für alle Angebote gilt, dass die vollständige Adresse und Telefonnummer im Impressum genannt sein muss. Nach erfolgter Kontaktaufnahme online oder telefonisch sollten auch Präsenztermine in der Praxis möglich sein, denn es kann sich herausstellen, dass Ihnen der Online-Kontakt doch nicht so liegt, Sie also den persönlichen Kontakt benötigen, um eine ausreichend tragfähige Beziehung aufbauen zu können. Bei manchen Erkrankungen wie z.B. Agoraphobie oder Depression kann es sogar hilfreich sein, in der Praxis persönlich erscheinen zu müssen, um zu lernen, Ihr Zuhause wieder zu verlassen. Achten Sie daher darauf, dass die Praxis in der Nähe Ihres Wohnortes ist.

Kinderkram

In einem denkwürdiges Gespräch im privaten Kreise erzählte mir eine ältere Person von einem Erlebnis im Kindergarten, welches sie damals sehr geängstigt hatte. Dies erinnerte auch mich an ein Erlebnis, welches mich nicht nur geängstigt, sondern auch sehr beschämt hatte. 

Ich erläuterte meinem Gegenüber, dass die damaligen, durchaus üblichen Vorgehensweisen, um Kinder zu bestrafen, zu disziplinieren oder einfach ruhig zu stellen, aus heutiger Sicht zur „schwarzen Pädagogik“ gehörten und heute nicht mehr üblich seien. Bei damals üblichen fast vierzig Kinder in einer Gruppe mit zwei Betreuungspersonen sei eine gute Betreuung gar nicht möglich gewesen. Um ihren Berufsalltag dennoch irgendwie zu bewältigen, hätten diese zu den genannten Methoden der schwarzen Pädagogik gegriffen.

Vielleicht erinnern Sie sich ebenfalls an einen damals sehr belastenden „Kinderkram“ und denken vielleicht: „Das ist doch schon so lange her“ – und schieben übermäßigen Selbstzweifel, Schuldgefühle, Lern- und Arbeitsstörungen, Beziehungsprobleme, andere seelische Probleme beiseite oder weisen sie einer einzigen Ursache, z.B. Vererbung oder unpassender Erziehungsstil der Eltern, zu. Meist haben wir jedoch eine Verbindung von körperlichen, psychologischen und sozialen Ursachen, die uns leidend machen (biopsychosoziales Modell).

Wenn Sie eine gute Fähigkeit zur Selbstanalyse bzw. Selbstreflexion haben und sich immer mal wieder ein wenig Zeit nehmen bzw. sich die Zeit auch gönnen, sehen Sie allmählich klarer und können die einzelnen Gefühle und Empfindungen den jeweiligen Ereignissen zuordnen und angemessen bewerten. Am wichtigsten ist die zeitliche Zuordnung: Was vergangen ist, soll im Gehirn als vergangen abgespeichert und erinnert werden. Dies verhindert ein unangemessenes Ausagieren im Hier und Jetzt aus nichtigem oder geringem Anlass und es bleibt mehr Kraft für die Lösung heutiger Probleme. Bei Bedarf kann professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Über das Thema „Kinderkram“ habe ich auch im Blättle des Schwerhörigenvereins Stuttgart einen Artikel veröffentlicht. Dort interessiert natürlich besonders die Auswirkung der Hörschädigung.  Man könnte ja versucht sein zu sagen, es gäbe keine, denn alle Kinder waren mehr oder weniger von der damals üblichen „schwarzen Pädagogik“ betroffen. Dennoch gibt es Unterschiede im Erleben:

Bei Bestrafungsaktionen wusste das gut hörende Kind meistens, wofür es bestraft wurde und konnte sein Verhalten eher darauf einstellen, während das hörgeschädigte Kind oft keinen Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und Strafe herstellen konnte. Es erlebte die Strafe eher schicksalhaft wie eine Strafe für das, was es ist (als Person), als für ein bestimmtes, unerlaubtes Verhalten. Außerdem war der Anpassungsdruck riesig und nicht wirklich zu leisten. Entweder wurde das Kind ganz still und daher „vergessen“ oder es lehnte sich auf und wurde besonders „unartig“, was weitere Bestrafungen nach sich zog. Dennoch haben viele der älteren Vereinsmitglieder ihren Weg gemacht, einen Schul- und Berufsabschluss, Familie gegründet… Manche engagieren sich ehrenamtlich im Verein. Das verdient Verständnis für ein paar verbliebene Macken und großes Lob für das Erreichte!

Mit viel Geduld, Hartnäckigkeit und Neugierde auf das eigene Erleben und Verhalten im Zusammenhang von Umwelt und Lebensgeschichte lässt sich auch bei eher ungünstigen Voraussetzungen so einiges erreichen und verbessern. Ich ermutige Sie frei nach Immanuel Kant mit einer kleinen Ergänzung von mir: Haben Sie den Mut, sich Ihres eigenen Verstandes – und Ihrer eigenen Psyche – zu bedienen!